Gorillas in Assmannshausen
Wiesbadener Tagblatt
16.02.2010 – ASSMANNSHAUSEN
UMZUG Engpass wegen Baustelle erfordert gute Planung
(tst). “Da hab ich mich früher immer druff gestellt”, sagt eine Frau im Teufelchen-Kostüm und wundert sich ein wenig. Eine ganze Reihe selbst gebastelter Schilder verbietet beim Assmannshäuser Rosenmontagszug den “Aufenthalt in dieser Gefahrenzone” und das Besteigen der Kirchenmauer. Direkt gegenüber ragt nämlich ein Baukran auf und engt die ohnehin schmale Durchfahrt ein.
Deshalb gibt es nicht nur Auflagen für die Zuschauer, sondern auch für die Wagenbauer: 3,50 Meter beträgt die maximale Breite, alle Teilnehmer hat der Club der Carnevalsfreunde Assmannshausen (CCA) vorab schriftlich darüber informiert, dass sich außer dem Bahnübergang eine weitere neuralgische Stelle auftut. “Den Kran abzubauen, war dem Bauherrn zu teuer, dafür haben wir Verständnis”, heißt es von Seiten des Vereins.
Mit 2,75 Metern Breite ist der Wagen der “Rheingauer Ich-AG” für die Passage an der Kirche geeignet, wenngleich es sich bei “Karneval im Taj Mahal” um einen der üppigsten und aufwendigsten unter den 35 Beiträgen handelt. 50 Aktive haben sich sechs Wochen lang mit dem Aufbau beschäftigt und rund 800 Arbeitsstunden investiert, erzählen Simon Weimann und seine Kollegen.
Nun hat der Buddha an der Frontseite eine Schneemütze auf und Göttin Shiva erträgt die kalten Flocken mit Langmut. Dank viel Lack hat der Wagen jedoch drei Umzugstage mit Winterwetter gut überstanden. Thermowäsche unter ihren grün-glänzenden Kostümen schützt die Rheingauer Teilzeit-Inder vor den frostigen Temperaturen. Drinnen wärmen sie sich an ihrer “kleinsten Theke der Welt”.
Im bunten Gewirbel fällt ebenso der “FC Dschungel” auf, eine Hobby-Fußballmannschaft aus Geisenheim. Der Unimog vor ihrem Wagen ist mit einem schwarzen Pelz überzogen, vorne schaut ein Gorillakopf mit Ball zwischen den Zähnen hervor. Bananen, die Fahne von WM-Gastgeber Südafrika und alte Fußballschuhe zieren den Anhänger. Am Heck glänzt übergroß der Weltpokal, versehen mit dem Spruch: “Da ist das Ding.”
Der Gorilla ist obendrein das Wappentier des “FC Dschungel” und ihm gilt über den Spaß an Fastnacht hinaus die Aufmerksamkeit. 2009 haben die Fußballer 1500 Euro über den WWF zur Rettung der Tierart gespendet. “Wir sammeln weiter”, berichtet Sascha Fabian. So sind auch Poster von Berggorillas beim Zug dabei. Der bewegt sich langsam auf der Höllenbergstraße talwärts. Der Schnee sammelt sich derweil auf manchen Afro-Perücken. 1986 war das Wetter noch miserabler, Reinhold Forschner vom CCA erinnert sich an Schnee, Hagel und Sturm: “Zum Teil sind die Leute damals von den Wagen geflüchtet und nach Hause gelaufen.”

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